Material Matters

Drucken E-Mail

Künstler: Philipp Fürhofer, Gehrd Grothusen, Tore Magne Gundersen, Aage Langhelle, Randi Nygård.
Eröffnung: 18. Oktober 2012, 19 - 21 Uhr
Eröffnung in Anwesenheit der norwegischen Botschaftsrätin für Kultur, Anne-Kirsti Wendel Karlsen
Ausstellungszeitraum: 19.10 - 03.11. 2012

Diese Ausstellung basiert auf der Hypothese, dass sich – vor dem Hintergrund unserer zeitgenössischen technologischen und kulturellen Landschaften – die Rezeption von (Kunst)fotografie ändert. Inwiefern führen diese neuen Bedingungen nun auch zu einer veränderten Position und Bedeutung von Fotografie?
Die Ausstellung versucht, einige diese Veränderungen aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie diese Veränderungen Teil eines Prozesses sind, der zu einem neuen Verständnis und einer neuen Rezeption von Fotografie sowie einem teilweise veränderten Inhalt in der Terminologie der Fotografie führt.
Im Allgemeinen scheint sich zeitgenössische Kunst eher in cinematografischer als fotografischer Richtung zu entwickeln. Die Mehrzahl der Fotografen und Künstler, die in einem erweiterten Feld mit kamerabasierter Kunst arbeiten, konzentrierten sich zu Beginn hauptsächlich auf traditionelle fotografische Objekte. Viele zeitgenössische Fotografen eignen sich jedoch in ihrer Arbeitspraxis heutzutage viele verschiedene Themen und Methoden an, die aus anderen medialen und künstlerischen Kontexten bekannt sind (wie z.B. Motive aus Gemälden und Filmszenen) und codieren diese um. Im Rahmen sozialer Medien und interaktiver Dialogformen spielt das Foto noch immer eine große Rolle, doch andere Medien wie Video, Animation oder grafische Darstellungen übernehmen zum Teil die Rolle und Bedeutung, die das Foto einst hatte. Wir können erkennen, dass gedruckte Fotos als Bestandteile in andere Kunstwerke wie Installationen oder separate Kunstobjekte eingehen. Natürlich liegt der Fokus noch immer auf dem fotografischen Motiv, doch durch die neue materielle Erscheinungsform werden verschiedene Bedeutungsschichten erzeugt und visualisiert. Was bedeutet es, unter diesen veränderten Bedingungen mit Fotografie zu arbeiten? Welche Rolle spielt ein Foto, wenn es nur Teil eines Kunstwerks ist und mit Formen einhergeht, die fesselnder wirken? Die Ausstellung versucht – mit anderen Worten – die ontologischen und ästhetischen Bedingungen heutiger Fotografie zu erörtern.
Einige der teilnehmenden Künstler bedienen sich in ihren Werken im Ausgangspunkt des Papiers, dem meist verbreiteten fotografischen Trägermaterial. Beispielsweise durch die Hinzufügung von Tusche, dem Gebrauch verschiedener Papiertypen oder anderen Druckmaterials sowie weiteren Maßnahmen wie Verdoppelungen, Collagen, Zeichnungen und Schnitten durchlaufen die Bilder verschiedene physikalische Prozesse. Diese Kunstpraxis ist nicht neu, steht jedoch häufig im Schatten mehr anerkannter Genres wie der Staged Photography oder der Dokumentarfotografie. Die Fotografie, also die allererste »technische Abbildung«, wurde hauptsächlich dazu genutzt, um erzählerische oder dokumentarische Inhalte zu kommunizieren, operiert jedoch mehr und mehr in einem erweiterten Feld. Ein Foto scheint heutzutage beinahe das etablierte Konzept von »Fotografie« zu zitieren und nimmt die Position eines fotografischen Effekts in einem komplexeren Kontext ein, als es selbst urprünglich darstellte. Es operiert in neuartigen kulturellen und ästhetischen Räumen. Auf der Suche nach einer neuen und aktuellen Position, insbesondere in der zeitgenössischen Kunst, durchläuft die Fotografie eine »Rekonstruktion«. Dieser sich vollziehende Wandel ist als Konsequenz der technologischen, strukturellen und kulturellen Veränderungen zu erkennen.
Die zeitgenössische Fotografie mag vielleicht in einem restrukturierten Feld ihre einzigartige Stellung verloren haben, doch der neue kulturelle Raum bietet in einem Zusammenspiel mit verschiedenen künstlerischen Praktiken ähnliche Positionen an. Für die (Kunst)fotografie ist das Spiel noch nicht vorbei, aber die Position hat sich verändert.
Aage Langhelle

Kurz über die Künstler:
furhofer-detail

Philipp Fürhofer
“Fürhofer beschäftigt sich mit alltäglichen Nachrichten, die er vor allem auf Glasfragmenten, Fassaden, Eingängen undTüren malerisch umsetzt. Der öffentliche Raum wird so zur Projektionsfläche von Geschichten jenseits kommerzieller Sehgewohnheiten. Gleichzeitig gelingt es dem Künstler, vorhandene Grenzen, Barrieren und Sperren zu durchbrechen und zugänglich zu machen.”

potsdamerlandschaft-grothusen

Gehrd Grothusen
«Grothusen nutzt das Medium der Fotografie, Zeichnung, Malerei und Fotokopie zur technischen, analogen, digitalen und manuellen Reproduktion. Aus einem sich stetig erweiternden visuellen Archiv entnimmt Grothusen einzelne Motive oder geschlossene Bildserien und macht diese zum Ausgangspunkt seiner Arbeiten»

pg10w

Tore Magne Gundersen
"Gundersen kombiniert in seinen oft rätselhaften und vieldeutigen Arbeiten eine Vielzahl von Medien und Techniken. Trotz eines Elements aus schwarzem Humor, beharren die Bilder darauf, ernst genommen zu werden. Ein weiteres Merkmal der Bilder Gundersens sind die gedämpften Farben und die manchmal comic-artigen Charaktere, die in mehreren Bildern wiederkehren und in verschiedenen Rollen agieren."

uncertain maps Aage Langhelle
„Langhelle bekam die Idee für dieses Projekt in Verbindung mit der Diskussion um Google Earths detaillierte Fotografien des urbanen Raums. Er beginnt, indem er Tusche über den abstrakten Ausschnitt eines Fotos aus dem urbanen Raum gießt. Daraus entsteht ein Bild, das auf den neutralen technischen Rastern des Fotos und den expressiven organischen Formen der Tusche basiert."

der-augenblick

Randi Nygård
“Nygårds jüngste Skulpturen wirken wie dreidimensionale Collagen, die jeweils einen Akkord aus wechselnden Positionen und Perspektiven hervorbringen. Basierend auf der Wiederzusammensetzung von gedrucktem Material aus Büchern, Zeitschriften und Drucken, durchläuft diese Arbeit einen umfangreichen Prozess des Schneidens und Falzens, wobei Papierstreifen hevorragen und sich durch die darüberliegenden Seiten ausbreiten.”

Mehr über die Künstler im Archiv