SENTRAL PERIFERI / SAMVIRKE

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SENTRAL PERIFERI. Katja van Ravenstein / Volker Seifried.

 

SENTRAL PERIFERI / SAMVIRKE

Katja van Ravenstein / Volker Seifried

Heidi Rognskog / Mona Eckhoff


Eröffnung:
5. Juni 2015, 20 - 22 Uhr

Ausstellungszeitraum: 6 - 12. Juni 2015

Öffnungszeiten (nach Voranmeldung): Samstag 13 -17 Uhr. Dienstag – Freitag 14 -18 Uhr

Adresse: Prinz-Georg-Straße 9, D-10827 Berlin

Website: www.prinz-georg.com

Weitere Informationen auf Nachfrage. Für eine Voranmeldung oder Fragen kontaktieren Sie bitte Aage Langhelle unter der Handy-Nr. 0173-6035317 oder schicken Sie eine E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

 

SENTRAL PERIFERI / SAMVIRKE

Diese Ausstellung ist das Resultat einer Zusammenarbeit der Künstler/Innen Seifried/Ravenstein aus Deutschland und Rognskog/Eckhoff aus Norwegen, die auf einem gemeinsamen Aufenthalt auf der Fischerinsel Veiholmen an der norwegischen Nordwestküste basiert.

Übereinstimmend haben die vier Künstler/Innen gebrauchte und ausrangierte Holzmaterialien aus dem Fischerdorf für ihre Werke benutzt. Seifried /Ravenstein haben Bretter und Holzteile gesammelt, die im Freien, unter oder neben Häusern, gelegen haben. Rognskog/Eckhoff verwenden nicht mehr instandsetzungsfähige Möbel und Objekte, aus dem Inneren der Häusern.

Gleichermaßen sind die Werke und Präsentationen einander diametral entgegengesetzt. In »Sentral Periferi«, der Arbeit von Seifried/ Ravenstein, die hier als Foto-Dokumentation gezeigt wird, ist das Material exakt bearbeitet und auf eine präzise und ausgeklügelte Konstruktion zugeschnitten. In den Arbeiten von Rognskog/Eckhoff erscheint die Zusammenfügung des Materials innerhalb des von zwei Wänden vorgegebenen Rahmens eher zufällig strukturiert.

Bei Seifried/Ravenstein tritt das Verhältnis von Natur und Kultur in Form einer strengen, von Menschen erschaffenen Konstruktion – gleichwohl durch die Verwendung natürlich verwitterten, organischen Materials – deutlich in den Vordergrund und erinnert so aus größtmöglicher Entfernung an Sol Levitts konzeptuellen Minimalismus. Nach der vorübergehenden Umstrukturierung des Materials durch die Künstler wurde das Werk am äußersten Ende des Kaps von Veiholmen erneut dem Eingriff der Natur überlassen.

Rognskogs/Eckhoffs Intention besteht darin, die Installation in einer feministischen Tradition mit Bezügen zu Patchwork und Handarbeit zu verorten. Arbeiten, die seit jeher der Domäne der Frauen zugerechnet werden. Dieser Eindruck wird noch durch das Geräusch einer Nähmaschine verstärkt, die im Galerieraum monoton und stetig vor sich hinrattert.

Durch die Wiederverwendung alltäglicher Materialien und Gegenstände fügen sich die Arbeiten in eine lange Tradition von der Assemblage bis hin zur Arte Povera (Arme Kunst) ein – Kunstformen, die in den 1950er und 60er Jahren entstanden und wertlose Gegenstände sowie alltägliche Materialien verwendeten. Diese Formen entstanden in der Hoffnung, die institutionelle Kunstpraxis zu untergaben, welche häufig in der Tradition stand, die Kunst ”zu erhöhen”. In der heutigen Situation, die von großen Umweltproblemen gekennzeichnet ist, kann man die künstlerische Praxis der Wiederverwendung als Wertewahl und politischen Standpunkt betrachten, bei denen die Reduktion des alltäglichen Verbrauchs zwecks einer nachhaltigen Entwicklung von zentraler Bedeutung ist. Recycling und Up-Cycling wurden auf Veiholmen schon immer praktiziert.

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SENTRAL PERIFERI. Katja van Ravenstein / Volker Seifried. Detail.

 

SENTRAL PERIFERI
Katja van Ravenstein und Volker Seifried über ihr Projekt:

 

In situ
Sentral Periferi ist in vielerlei Hinsicht ortspezifisch, angeregt von unseren ersten Besuchen der Insel im Internet. Zunächst sahen wir kaum mehr als eine Ansammlung von Felsen im Atlantischen Ozean. Bei näherer Betrachtung stellten wir aber fest, dass grosse Teile der Insel mit Konstruktionen aus Holz bebaut sind. Holz scheint das Material zu sein, um einen abgelegenen Ort wie diesen zu erschließen. Neben Häusern, Bootshäusern und Booten gibt es Stege, Rampen und Brücken, die über oder zum Wasser führen. Aber keine Bäume.
Holz wurde demnach das Material unserer Wahl und wir beschlossen, weggeworfene oder zur Seite gelegte Bretter zu benutzen, welche wir auf der Insel finden würden. Mit den Brettern und Planken würden wir auch die Farben der Insel sammeln. Wir entwickelten ein dreidimensionales Raster, angelehnt an die für den alltäglichen Gebrauch entstandenen Konstruktionen. Ein zur Oberfläche hin geschlossenes und zu den Rändern unregelmäßig auslaufendes Raster in den Proportionen eines Steges oder einer Bühne. Zwei Bilder, die in eins fallen: das Überbrücken einer Landschaft und die topografische Erscheinung der umgebenden Landschaft selbst als Synthese von Struktur und Zufall.

Samvirke 2014
Vor Ort, ausgestattet mit digitalen Entwürfen, einem Modell und einem eng bemessenen Zeitrahmen, mussten wir einige der zuvor getroffenen formalen Entscheidungen Schritt für Schritt an die Gegebenheiten anpassen. Die Zugeständnisse an die Bedingungen und Räumlichkeiten haben die Arbeit mitgeformt, was sich für uns als sinnvoll und willkommen herausstellte.

Das Kap 2015
Wir freuen uns darüber, das Projekt nun mit der Installation der Arbeit auf dem westlichen Kap der Insel abzuschließen. Durch Aussteifungen des Rasters nach unten konnten wir die fragile Arbeit waagerecht auf dem felsigen Untergrund platzieren. Damit wollen wir das von uns entliehene Material wieder zurückgeben, lediglich in verändertem Zustand. 
Die weitere Geschichte dieser Arbeit überlassen wir dem Wind, dem Regen und den Wellen.


Katja van Ravenstein og Volker Seifried haben an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Sie leben in Berlin.

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»Schau mal in der Dachbodenkammer in der großen Kommode rechts neben dem grünen Schrank in der mittleren Schublade unter der Schachtel mit Angelhaken … da …«.Heidi Rognskog / Mona Eckhoff.

 

SAMVIRKE
Heidi Rognskog und Mona Eckhoff

Durch den Titel der Installation »Se på kammers-loftet i den store kommoden til høyre for det grønne skapet i den midterste skuffen under fiskekrok-esken …. der …« (auf Deutsch etwa: »Schau mal in der Dachbodenkammer in der großen Kommode rechts neben dem grünen Schrank in der mittleren Schublade unter der Schachtel mit Angelhaken … da …«) möchten die Künstlerinnen eine Geschichte erzählen über Häuser, Räume, Bewegungen und Gedächtnis – oder Erinnerungen, wenn man so will. Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit haben sich die Künstlerinnen mit Collagen und Zusammenstellungen von Objekten beschäftigt, die sie gefunden haben. Dabei handelt es sich um Gegenstände, die von irgendjemandem abgelegt wurden, weil sie entweder ihre Rolle gespielt hatten, nicht mehr zeitgemäß waren oder aus dem Gedächtnis gestrichen werden sollten, um Platz zu schaffen für aktuell geltende Normen und neue Zeiten. Die Installation bezieht sich auf die Arbeit der Frauen auf der Fischerinsel, wenn es mitten im Winter auf dem Meer heftig stürmte und die Männer monatelang draußen waren, um zu fischen. In ihrer künstlerischen Praxis beziehen sich Rognskog und Eckhoff auf ihre familiären Wurzeln auf Veiholmen, aber auch auf gänzlich andere Kenntnisse und Erfahrungen, die sie während ihrer Kunstausbildung an zentraler gelegenen Orten wie Tschechien, Bergen und Düsseldorf gesammelt haben. 


Rognskog und Eckhoff leben heute in Oslo, betreiben auf Veiholmen jedoch das Gastatelier und die Galerie Samvirke, wo sie für das dreijährige nordische Kunstprojekt RASK (auf Deutsch etwa: Unrat) verantwortlich zeichnen. Zusammen mit anderen Künstlern reisen Rognskog und Eckhoff zu kleinen Fischerinseln in Skandinavien, arbeiten dort eine Weile und forschen in Seminaren und Ausstellungen über die Bedeutung der Gegenwartskunst in kleinen, marginalisierten Gesellschaften.

 

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